Betreuungsangebot der Martinus-Schule Weißliliengasse Mainz

Wir, die Erzieherinnen des Nachmittagsbereichs der Martinus-Schule Weißliliengasse Mainz, haben unsere Konzeption überarbeitet, da veränderte Bedingungen immer wieder neue konzeptionelle Überlegungen erfordern. Durch beständigen Austausch und Reflexionen haben wir viele Dinge hinterfragt und teilweise neue Wege gesucht und gefunden.

Unser Team besteht zurzeit aus fünf Erzieherinnen, zwei Küchenkräften sowie einem Koch, da unser Essen täglich frisch in der Küche des Nachmittagsbereiches zubereitet wird. Dieser ist allerdings beim Caterer angestellt und nicht beim Bistum.

Rahmenbedingungen

Der Nachmittagsbereich ist eine freiwillige Leistung des Bistums Mainz, die seit 1985 besteht. Schüler der ersten bis vierten Klasse können das Angebot nach dem Unterricht bis 16 Uhr wahrnehmen. In fünf altersgemischten Gruppen werden etwa 80 Kinder von Erzieherinnen betreut. Begonnen hatte es mit 12 Schülern.

Ein Grundgedanke war, einen Bereich zu schaffen, in dem vor allem Kinder mit Migrationshintergrund, insbesondere Kinder von Aussiedlern, aber auch Schüler mit Lernschwierigkeiten, eine zusätzliche Förderung erhalten sollten. Dazu kamen Kinder, deren Eltern alleinerziehend oder ganztags berufstätig waren.

Zu Beginn wurde der Nachmittagsbereich in der ehemaligen Hausmeisterwohnung untergebracht. Es gab Einschränkungen, trotzdem hatte die Umgebung einen wohnlichen Charakter, eine fast „heimelige“ Atmosphäre.

Im Jahr 1989 begann der Um- bzw. Neubau unserer Grundschule. Während der Bauphase wurden die Kinder des Nachmittagsbereiches auf 3 Schulen verteilt. 1992 konnten die neuen Räume endlich bezogen werden. Es dauerte eine Weile, bis die Räumlichkeiten so hergerichtet waren, dass sich die Kinder heimisch fühlen konnten.

Genau das ist der Nachmittagsbereich für viele der Kinder: „ein Stück Zuhause“.

Betreuungszeiten / Betreuungskosten

Im Rahmen der vollen Halbtagsschule werden zwei kostenfreie Betreuungsmöglichkeiten angeboten.

  • Frühbetreuung von 7.45 Uhr bis Unterrichtsbeginn
  • Betreuung nach Unterrichtschluss bis 12.20 Uhr

Kostenpflichtige Angebote*:

  • Kurzzeitbetreuung ohne Mittagessen bis 13.05 Uhr Die Betreuungskosten belaufen sich für fünf Tage auf 30 Euro pro Monat.
  • Kurzzeitbetreuung ohne Mittagessen bis 14.00 Uhr Die Betreuungskosten belaufen sich für fünf Tage auf 60 Euro pro Monat.
  • Nachmittagsbetreuung mit Mittagessen bis 16.00 Uhr
    Dieses Angebot kann ab zwei Tagen pro Woche in Anspruch genommen werden.
    Die Betreuungskosten belaufen sich für fünf Tage auf 135 Euro. Bei gleichzeitiger Betreuung von Geschwisterkindern reduzieren sich diese für jedes weitere Kind um die Hälfte.
    Hinzu kommen pro Kind bei fünf Tagen 90 Euro im Monat für die Verpflegung.

Für den Nachmittagsbereich gelten folgende feste Abholzeiten:
Montag bis Donnerstag: 13.45 bis 14.15 Uhr / 15.15 Uhr / 16.00 Uhr
Freitag: 13.45 bis 14.15 Uhr / 16.00 Uhr

Während der Ferien findet keine Betreuung statt.

* Stand Schuljahr 2018/2019

Unser Selbstverständnis

Unsere Arbeit mit den Kindern im Nachmittagsbereich geht weit über ein Aufpassen hinaus. Im täglichen Umgang miteinander ist uns eine von Achtung und Respekt geprägte Grundhaltung wichtig. Diese und unser Glaube bilden die Basis und fließen daher in den pädagogischen Alltag ein, der sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert.

Jedes Kind wird von uns als einzigartiger Mensch gesehen. Unsere Aufgabe ist es, die Stärken und Schwächen zu erkennen und dem Kind entsprechend seines Entwicklungsstandes Impulse und Hilfestellungen anzubieten, um seine Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Wir fördern die Eigenständigkeit, das Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein des Kindes sowie das soziale Miteinander.

Hierzu schaffen wir eine Atmosphäre, in der das Kind sich wohl fühlt. Wir verstehen uns dabei als Wegbegleiter, Unterstützer und Berater.

Anknüpfend an das religiöse Selbstverständnis der Schule erfahren die Kinder auch nachmittags christliche Bräuche und Rituale. Gerne feiern wir mit den Kindern religiös geprägte Zeiten und Feste des Kirchenjahres.

Wir betrachten die Welt und Umwelt als Schöpfung Gottes, die es zu achten und bewahren gilt.

Die religiöse Bildung ist nicht isoliert zu sehen, sondern sucht Vernetzung zu anderen Bildungsbereichen.

Ganzheitliches Lernen

Wir bieten den Kindern Erfahrungsräume, in denen sie ihre Wünsche, Bedürfnisse und Fähigkeiten ausprobieren und weiterentwickeln können. Hierzu gehört auch die Unterstützung beim Aufbau emotionaler Beziehungen. Die Förderung der Kinder unterteilt sich in Eigenkompetenz, soziale Kompetenz und Sachkompetenz. Diese theoretisch unterscheidbaren Bereiche sind im praktischen Handeln nicht zu trennen, sondern sind verschiedene Aspekte eines ganzheitlichen Erziehungsvorgangs.

Unsere Erziehung im Nachmittagsbereich strebt einen Umgangsstil an, der einerseits das Ich-Bewusstsein des Kindes stärkt, aber zugleich seine Gemeinschaftsfähigkeit fördert. Ich-Stärke führt dazu, dass Menschen ihre eigenen Interessen relativieren und notwendige Einschränkungen ertragen können. Vor allem äußert sich diese Kompetenz in Kompromissfähigkeit und Gemeinschaftssinn.

Eigenkompetenz

Unter Eigenkompetenz versteht man die Fähigkeit, sein eigenes Leben gestalten zu können, mit sich selbst zurechtzukommen sowie Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

Durch die freie Auswahl von Spielpartner, Raum und Material hat das Kind die Möglichkeit, seine eigenen Ideen zu verwirklichen und wert zu schätzen. Es kann seine Fantasie entfalten und im Rollenspiel andere Verhaltensweisen erproben.

Durch gezielte Angebote möchten wir das Kind motivieren, seine Konzentration und Ausdauer ständig weiter zu entwickeln.

Soziale Kompetenz

Soziale Kompetenz entwickeln Kinder im Umgang mit anderen Personen, indem sie Kontakt mit ihnen knüpfen und deren Bedürfnisse anerkennen.

Die Kinder sollten in der Lage sein, Konflikte miteinander zu lösen. Wenn nötig, geben wir Hilfestellungen, indem wir mit ihnen reden und Möglichkeiten konstruktiver Konfliktbewältigung aufzeigen.

Regeln und Grenzen sind für ein gelingendes Miteinander Grundvoraussetzung. Sie werden mit den Kindern gemeinsam besprochen. Hieraus ergibt sich, dass die Kinder auch untereinander auf die Einhaltung achten.

Das soziale Miteinander fördert das Gemeinschaftsgefühl und ermöglicht uns ein positives Zusammenleben. Jeder kann einen Beitrag zum Gelingen / Wohl der Gemeinschaft beitragen.

Sachkompetenz

Kinder sind von Geburt aus neugierig. Sie reagieren auf die Reize ihrer Umgebung und erweitern aktiv ihr Wissen und Können.

Wir geben den Kindern den nötigen Freiraum, um eigene Lernerfahrungen zu machen.

Durch Angebote in verschiedenen Bereichen werden die Kinder zum Lernen motiviert und entwickeln Freude an ihren Fortschritten.

Beim Säen, Pflanzen, Ernten oder auch Backen und Kochen erleben sie Entwicklungsprozesse, können kreativ sein und sammeln eigene Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Sachthemen.

Durch den ständigen Gebrauch der Sprache entwickeln die Kinder Freude an der Kommunikation. Sie lernen Sprache zu verstehen, sie anzuwenden und damit umzugehen. Die sprachliche Begleitung der Alltagshandlungen unsererseits vermittelt den Kindern ein positives Sprachvorbild. Außerdem ist es uns wichtig, die Kinder aussprechen zu lassen, dem Gesagten Beachtung zu schenken und das aktive Zuhören der Kinder zu fördern.

Alltag anhand eines Tagesablaufes

Nach Unterrichtsschluss begrüßen wir die Kinder im Nachmittagsbereich. Sie haben die Möglichkeit, sich untereinander und mit uns auszutauschen oder die verschiedenen Spielmöglichkeiten in unseren Räumen zu nutzen.

Schüler, deren Unterricht schon nach der vierten Stunde endet, können dem Koch beim Zubereiten der Speisen zusehen oder sogar manchmal mithelfen.

Danach ist es Zeit, den Tisch für das Mittagessen herzurichten. Diese Aufgabe wird vom täglich wechselnden „Tischdienst“ übernommen. Das gemeinsame Tischgebet und die Einhaltung gewisser Regeln während des Essens sind uns wichtig.

Nach dem Essen bleibt den Kindern Zeit zum Spielen und Toben in den Räumen und im Außenbereich, bevor sie mit ihrer jeweiligen Erzieherin in den Klassenräumen ihre Hausaufgaben machen.

Das Erledigen der Hausaufgaben ist ein Schwerpunkt unserer Arbeit und somit die wichtigste Schnittstelle von Vormittag und Nachmittag. Dabei achten wir besonders darauf, dass die Kinder ihre Aufgaben überwiegend selbständig erledigen. Wenn Fragen oder Schwierigkeiten auftreten, stehen wir mit Rat und Tat zur Seite. Je nach momentaner Verfassung des einzelnen Kindes kann dies auch mal bedeuten, dass Aufgaben nicht vollständig bearbeitet sind.

Im Anschluss an die Hausaufgaben bleibt noch Zeit für gemeinsame Spiele, Bastelarbeiten und Sonstiges.

Freitags ist unser hausaufgabenfreier Tag, an dem sich die Kinder für Freispiel oder angeleitete Angebote wie Bewegungsspiele in der Turnhalle, Bastelarbeiten, Entspannungsgeschichten usw. entscheiden können. Des Weiteren unternehmen wir auch kleine Ausflüge in die nähere Umgebung, z.B. Besuch von Spielplätzen, Eisdielen, Museen oder Kindertheatern.

An Tagen, an denen der reguläre Unterricht ausfällt, können Ganztagsausflüge angeboten werden.

Elternarbeit/Zusammenarbeit mit der Schule und anderen Institutionen

Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist ein wichtiger Baustein für unsere Arbeit, nur so können wir die Kinder optimal fördern und sie auf ihrem Lebensweg begleiten und stärken.

Wir haben jederzeit ein offenes Ohr für Ideen, Anregungen oder Kritik der Eltern und lassen sie nach Möglichkeit in unsere Arbeit einfließen.

Hierzu bieten wir Elterngespräche, Elternfeste und die Wahl von Elternsprechern an.

Darüber hinaus stehen wir in regelmäßigem Austausch mit der Schulleitung, den Lehrerinnen und Lehrern, den Integrationskräften und unserem Schulpsychologen. Hierbei ist von großem Vorteil, dass der Nachmittagsbereich ein Teil der Schule ist, was die Zusammenarbeit immens erleichtert.

Sollte zudem noch Bedarf bestehen, arbeiten wir auch mit den entsprechenden Beratungsstellen und Ämtern zusammen.

Schlusswort

Als wir uns vor mehr als dreißig Jahren auf den Weg machten, war es uns wichtig, die Eltern der uns anvertrauten Kinder darin zu unterstützen, diese zu lebensbejahenden Menschen zu erziehen. Dies ist die Voraussetzung, sich und andere anzunehmen, um so seinen Platz im Leben zu finden.

Obwohl sich die Gesellschaft in einem stetigen Wandel befindet und die Rahmenbedingungen dem oft nicht gerecht werden, bleibt dies auch heute wegweisend für unsere Arbeit.

Wir freuen uns darauf, Ihr Kind ein Stück seines Lebens begleiten zu dürfen. Es soll sich glücklich und geborgen fühlen.

Deshalb wünschen wir uns ein vertrauensvolles Miteinander und Zeit für Begegnungen im Nachmittagsbereich.

„Wenn wir wissen, wo wir stehen
und wohin wir wollen,
können wir uns miteinander
auf den Weg machen.“ (Verfasser unbekannt)

Literaturangaben

  • Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz /Beltz Verlag

  • Der neue Trierer Plan / Katechetisches Institut des Bistums Trier

  • Kindergarten heute / Herder Verlag

  • Konzeption der kath. Kindertagesstätte St. Franziskus, Weiler b. Bingen

  • Konzeptionelle Überlegungen für die Arbeit in Tageseinrichtungen für Kinder

  • Lebensraum Kindergarten / Herder und Ernst Kaufmann Verlag

  • Pädagogik / Hrsg. Von Hermann Hobmair. Bildungsverlag E1NS

  • Regenbogen des Caritas Verbandes